Persönlicher Rückblick und Interview mit Yannik aus dem Organisationsteam, von Fritz Wendel für Metalfans4metalbands
Der Underground braucht keine Almosen. Er braucht Bühnen und Menschen, die davorstehen.
Es gibt Veranstaltungen, bei denen man mit der Kamera ankommt und mit weit mehr als guten Bildern nach Hause fährt. Das Falling Leaves Festival am 26. September 2026 in Marktschorgast war für mich genau so eine Veranstaltung. Ich war zum ersten Mal dabei und wurde richtig positiv überrascht von den Bands, von der Organisation und von den Menschen, die dieses kleine Festival möglich machen. Ganz ehrlich, das war richtig geil.
Die Turnhalle am Kapellenberg bot eine gute Bühne, ausreichend Platz und Parkmöglichkeiten. Der Saal war gut gefüllt, die Atmosphäre angenehm, und an Einlass und Getränkeausgabe standen freundliche Leute, die ihre Aufgaben im Griff hatten. Auch während der Umbaupausen ging es zügig weiter. Man merkte, dass die Crew wusste, was sie tat.
Als Fotograf habe ich natürlich besonders auf Licht und Arbeitsmöglichkeiten geachtet. Beides hat mich überzeugt. Der Lichttechniker fragte sogar nach, ob aus meiner Sicht alles passte. Dazu konnten wir uns frei bewegen und auch von der Bühne aus fotografieren. So bekamen die Drummer ebenfalls die Aufmerksamkeit, die ihnen auf Konzertbildern viel zu oft fehlt. Dafür ein großes Dankeschön!
Musikalisch blieb es abwechslungsreich, The Black Tape eröffneten mit viel Energie und direktem Kontakt zum Publikum. Bei Voltage Kill rückten die Menschen näher an die Bühne. ØL brachten Pogo und Crowdsurfing in die Halle, Ground2A lieferten Sprünge, die auch für meine Kamera echte Highlights waren. Alveole fesselten mit ihrer Sängerin und einer ganz eigenen Atmosphäre. Swallow’s Rose erinnerten mit ihrem Dank an Veranstalter und Publikum daran, wie wichtig solche Bühnen sind. Aimless Death machten den nächtlichen Abschluss.
Sieben Bands für 20 Euro Eintritt, dazu beispielsweise ein Bier für 3,50 Euro, auch das gehört zu meinem positiven Eindruck. Hier konnte man einen langen Abend mit Livemusik erleben, ohne dass schon die Preise die Freude daran verdarben.
Besonders in Erinnerung blieb mir Yannik, der während der Umbauten selbst Instrumente und Technik trug und den Bands half. In meinem ersten Nachbericht hatte ich ihn als den Verantwortlichen hinter dem Festival beschrieben. Das möchte ich hier richtigstellen Das Falling Leaves wird von einem Team aus rund 15 Personen organisiert, die gemeinsam entscheiden und Verantwortung übernehmen. Yannik kümmert sich vor allem um die Kommunikation mit den Bands, das E-Mail-Postfach und die Social-Media-Kanäle. Am Festivaltag unterstützt er die Bands beim Aufbau.
Gerade dieses gemeinsame Anpacken macht mich neugierig. Wer steckt dahinter? Wie entsteht so ein Festival, und wie schafft man es, dem Underground eine gute Bühne zu fairen Preisen zu bieten? Yannik hat sich die Zeit genommen, unsere Fragen zu beantworten.
Im Gespräch mit Yannik
1. Yannik, wer bist du eigentlich abseits des Falling Leaves? Was machst du beruflich und musikalisch?
Yannik: Aktuell bin ich dualer Student mit Ausbildungsberuf zum Anlagenmechaniker SHK und Abschluss zum Ingenieur in Gebäude und Energietechnik. Außerdem bin ich leidenschaftlicher Musiker, spiele Gitarre in diversen Bands, unter anderem auch in einem neuen Melodeath Projekt „Ego To Ashes“ (mit dem wir im November in der Göss in Kulmbach unseren ersten Auftritt haben). Natürlich gehe ich auch leidenschaftlich gern (sehr) oft auf Konzerte und Festivals in allen Größen und Formen.
2. Wie ist die Idee zum Falling Leaves Festival entstanden, und wie kam es zu diesem Namen?
Yannik: Im Prinzip haben sich ein paar Marktschorgaster Musiker und Musikgenießer gedacht, dass es bei uns in der Nähe nicht mehr so viele Auftrittsmöglichkeiten gibt. Deswegen haben wir uns überlegt, dass wir in unserer Turnhalle mal ein kleines Festival veranstalten könnten. Mit der Zeit sind wir dann immer mehr geworden, die mithelfen, das Festival zu organisieren und vor Ort auf die Beine zu stellen. Der Name entstand schlicht aufgrund des Zeitpunktes. Anfang Herbst, fallende Blätter und so weiter.
3. Wie seid ihr organisatorisch aufgestellt, und was motiviert euch, das Festival gemeinsam auf die Beine zu stellen?
Yannik: Zuerst sei mal gesagt, dass ich das Festival natürlich nicht allein veranstalte. Wir sind ein Team aus ca. 15 Personen, die alles mitorganisieren, planen, aufbauen und auch zusammen Entscheidungen treffen und Verantwortung übernehmen. Offiziell gehören wir zum Marktschorgaster Sportverein, dem ASV, sind aber generell unabhängig. Unsere Motivation kommt aus der Liebe zur (Live-) Musik und einfach aus der Gemeinschaft, die wir mittlerweile geworden sind.
4. 2026 fand das Festival zum vierten Mal statt. Was hat sich seit der ersten Ausgabe am deutlichsten verändert?
Yannik: Ich würde sagen, dass wir auf jeden Fall professioneller geworden sind. Wir konnten in den letzten Jahren viel Erfahrung sammeln und anwenden, um einen reibungslosen Ablauf zu ermöglichen. Auch das Ambiente ist viel schöner und einladender geworden. Zum Beispiel hatten wir im ersten Jahr keine gute Bühnenbeleuchtung und die Bands haben im „Baustrahlerlicht“ gespielt. Generell kann ich sagen, dass jeder mit seinen Aufgaben gewachsen ist und einen hervorragenden Job macht.
5. Ihr gebt vor allem kleineren Underground-Bands eine Bühne. Ist das eine bewusste Entscheidung?
Yannik: Wir wollen ganz bewusst lokale und befreundete Underground-Bands spielen lassen und eine Bühne geben. Dabei ist uns auch wichtig, dass die Bands eine gute Zeit haben und eine Möglichkeit bekommen, sich gut zu präsentieren. Dadurch, dass wir selbst viel auf Underground Konzerte gehen, haben wir auch viel Kontakt zu Bands und Veranstaltern. So können wir uns auch für unser Festival inspirieren lassen.
6. Wie stellt ihr das Line-up zusammen? Welche Rolle spielen eigene Wünsche und Bewerbungen?
Yannik: Meistens haben wir ein paar Bands, die wir uns selbst aussuchen, bei denen wir uns denken „Die müssen unbedingt mal bei uns spielen“. Der andere Teil besteht aus Bewerbungen, die wir gut finden. Tatsächlich bewerben sich jedes Jahr relativ viele Bands bei uns. Diese gehen wir dann durch und entscheiden, welche Bands am besten zum Festival passen. Wichtig ist uns, dass die Musik uns allen selbst gefällt und, dass die Musikrichtungen relativ breit gefächert sind. Wir wollen quasi von allem aus der Richtung Punk, Metal und Hardcore etwas im Lineup.
7. Wie schwierig ist es, sieben passende Bands zu gewinnen, und welche Kriterien zählen bei der Auswahl?
Yannik: So schwierig ist das tatsächlich gar nicht. Durch die vielen Bewerbungen sind oft viele Bands dabei, die Bock haben bei uns zu spielen und sich dementsprechend über eine Zusage freuen. Viele Kriterien haben wir eigentlich nicht. Da ist die größte Einschränkung eigentlich, wie viele Bands wir spielen lassen können. Solange die Bands sich finanziell und musikalisch in unserem Rahmen bewegen, sind wir eigentlich für alles offen.
8. Wann beginnt eure Planung, und welche Aufgaben sind besonders schwierig?
Yannik: Meistens fangen wir Anfang des Jahres mit der Auswahl des Lineups an. Bis alle Bands final zugesagt haben, ist es meist Ende Februar. Dann geht die allgemeine Planung los. Dann besprechen wir, was wir verändern wollen, z.B. welche Sponsoren, Wünsche der Bands, usw. Das zieht sich dann bis in den Sommer. Danach geht’s an den Feinschliff, Aufbau und die Verteilung der Aufgaben am Festivaltag. Als schwierigstes stellt sich meistens die Planung der Backline heraus (Wer stellt ein Drumset, Gitarrenboxen etc.). Da wir ein kleines Festival sind, können wir uns keine eigene Backline leisten. Deshalb müssen sich die Bands untereinander einig sein, wer etwas mitbringt. Das kann schonmal etwas dauern, bis man sich geeinigt hat.
9. Welche Unterstützung bekommt ihr von der Gemeinde Marktschorgast und aus dem Ort?
Yannik: Wir sind natürlich sehr froh, dass wir unsere Gemeindeturnhalle nutzen dürfen und generelle Erlaubnis haben, das Festival durchzuführen. Ansonsten bekommen wir auch Unterstützung von den lokalen Firmen und natürlich von den Besuchern aus dem Ort.
10. 20 Euro Eintritt für sieben Bands und ein Bier für 3,50 Euro: Wie ermöglicht ihr diese Preise?
Yannik: Sponsoren sind extrem wichtig für uns. Ohne die Unterstützung könnten wir die Preise nicht so niedrig halten, wie sie sind. Unser Festival ist nicht auf Gewinn ausgelegt. Wir wollen, dass jeder eine gute Zeit hat, ohne ein Vermögen ausgeben zu müssen. Allerdings müssen auch wir mit steigenden Preisen kämpfen. Deshalb sind wir über jede Unterstützung froh und dankbar.
11. Wie beurteilst du die Lage kleiner Festivals angesichts steigender Kosten? Können solche Veranstaltungen langfristig bestehen?
Yannik: Die aktuelle Lage ist leider sehr besorgniserregend. Durch den Kostenanstieg sind leider Konzerte und Festivals nicht mehr für jeden bezahlbar, da nicht nur der Kartenpreis steigt, sondern auch „das drum Herum“, wie zum Beispiel Getränkepreise und Fahrkosten. Ich denke allerdings, dass mit Leidenschaft organisierte Veranstaltungen, wie zum Beispiel „Koppel of Rock“, das „Sticky Fingers“ oder „Rock The Ruins“ Festival weiterhin bestehenbleiben und auf niedrige Preise achten. Die Leute müssen allerdings dann auch hingehen und genau diese Veranstaltungen unterstützen.
12. Du packst am Festivaltag selbst viel mit an. In welchen Momenten denkst du: Genau dafür hat sich die Arbeit gelohnt?
Yannik: Da gibt es tatsächlich ein paar Momente. Zum einen, wenn am Freitagabend die Bühne steht und unsere Licht- und Tontechniker Soundcheck machen. Da denk ich mir immer „Das schaut dieses Jahr wieder geil aus“. Während dem Festival ist dann natürlich auch bei Beginn der ersten Band ein Moment, der für mich besonders ist. Außerdem finde ich die Interaktionen mit den Besuchern immer super. Neben den vielen bekannten Gesichtern finde ich es auch immer wieder schön, sich mit neuen Leuten zu unterhalten. Dann denke ich dann „Wow, Die sind wirklich wegen dem Festival hierhergekommen“.
13. Wie fällt dein persönlicher Rückblick auf das Falling Leaves Festival 2026 aus?
Yannik: Ich denke, das FLF 2026 war das Beste jemals. Die Stimmung war super, meiner Meinung nach das stärkste Line-up bis jetzt und jede Menge Spaß. Unsere Crew macht einen absolut super Job. Was wir nächstes Jahr verändern/verbessern, werden wir noch besprechen.
14. Welche Pläne gibt es für 2027, und was wünscht ihr euch für die Zukunft?
Yannik: Ja, das 5. Falling Leaves Festival wird am 25.09.2027 stattfinden. Die Planungen stehen bereits in den Startlöchern und wir freuen uns auf jeden, der vorbeischaut. Für die Zukunft wünschen wir uns, dass sich unser Festival noch etwas herumspricht und die Leute den Underground noch etwas mehr unterstützen. Nur so kann die Livemusikszene überleben.
Warum mir dieses Festival so viel bedeutet
Yanniks Antworten passen zu dem, was ich an diesem Tag erlebt habe: Menschen, die selbst gern Konzerte besuchen und Musik machen, schaffen gemeinsam Auftrittsmöglichkeiten für andere. Sie kümmern sich um die Bands, stimmen Technik ab, suchen Unterstützung und stehen am Ende selbst beim Aufbau. Wie viel Arbeit dahintersteckt, sieht man als Besucher oft erst auf den zweiten Blick.
Mich hat das Falling Leaves überzeugt, weil hier vieles zusammenkam: starke Bands, eine aufmerksame Crew, gute Technik, faire Preise und ein Publikum, das mitgemacht hat. In Gesprächen erzählten mir Besucher, dass das Festival von Jahr zu Jahr gewachsen sei. Manche kamen direkt aus Marktschorgast, andere nahmen rund 150 Kilometer Anfahrt in Kauf oder bildeten Fahrgemeinschaften. Auch sie tragen dazu bei, dass solche Veranstaltungen stattfinden können.
Für meine Arbeit als Konzertfotograf und Unterstützer des Undergrounds sind genau solche Abende wichtig. Ich möchte zeigen, was auf diesen Bühnen passiert und wer dafür sorgt, dass es sie überhaupt gibt. Deshalb geht mein Dank an das gesamte Organisationsteam, alle Helferinnen und Helfer, die Licht- und Tontechnik, die Unterstützer, alle sieben Bands und jeden Menschen vor der Bühne. Und natürlich an Yannik für seine offenen Antworten.
Nach meinem ersten Besuch steht für mich fest: Dieses kleine Festival verdient Aufmerksamkeit. Wer den Underground unterstützen möchte, kann hier ganz konkret etwas tun: hingehen, Bands entdecken und gemeinsam einen guten Abend verbringen.
Laut Yannik findet das fünfte Falling Leaves Festival am 25. September 2027 statt. Den Termin kann man sich schon einmal vormerken.
Der Underground braucht keine Almosen. Er braucht Bühnen – und Menschen, die davorstehen.
Bericht, Interview und Fotos, Fritz Wendel | old_school_metal_shots
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