Ein Nachbericht von Metalfans4Metalbands
Während ich diese Zeilen schreibe, ist das ROCKHARZ 2026 noch in vollem Gange. Auf der Bühne steht Doro Pesch und beweist einmal mehr, warum sie seit Jahrzehnten als Queen of Metal gilt. Mit beeindruckender Vitalität, einer kleinen Feuershow und einem Mix aus alten Klassikern und neuen Songs begeistert sie tausende Besucher vor der Bühne.
Und trotzdem soll dieser Bericht nicht von Doro handeln.
Denn das ROCKHARZ ist weit mehr als die Bands, die Jahr für Jahr auf den Bühnen stehen. Es sind die Menschen, die dieses Festival zu etwas Besonderem machen. Genau ihnen möchte ich diesen Nachbericht widmen.
Zwischen Besucher und Berichterstatter
Seit vielen Jahren besuche ich das ROCKHARZ als ganz normaler Festivalgast. In diesem Jahr durfte ich erstmals als Multimedia-Reporter für Metalfans4Metalbands über das Festival berichten. Dadurch hat sich mein Blick auf vieles verändert.
Natürlich haben wir großartige Konzerte erlebt. Beeindruckende Shows, emotionale Momente und unzählige Erinnerungen.
Doch je länger das Festival dauerte, desto deutlicher wurde mir, dass die Musik zwar der Anlass ist – die Menschen aber das eigentliche Herz des ROCKHARZ bilden.
Warum wir den Underground unterstützen
Metalfans4Metalbands hat sich bewusst dafür entschieden, seinen Schwerpunkt auf Bands zu legen, die noch am Anfang ihrer Karriere stehen.
Musiker, die oft noch keinem großen Label angehören.
Bands, die vielleicht zum ersten Mal auf einem Festival wie dem ROCKHARZ auftreten.
Genau ihnen möchten wir eine Plattform geben.
Jede bekannte Band hat einmal klein angefangen.
In verrauchten Clubs.
Vor wenigen Besuchern.
Mit schlechter Beleuchtung.
Ohne große Gagen.
Aber mit einer Leidenschaft, die oft größer ist als jede Festivalbühne.
Natürlich ziehen internationale Headliner mühelos tausende Fans vor die Bühne.
Doch die Zukunft unserer Szene entsteht dort, wo junge Bands ihre ersten großen Erfahrungen sammeln dürfen.
Deshalb freuen wir uns über jeden Kommentar unserer Leser, in dem jemand schreibt:
“Diese Band kannte ich vorher gar nicht.”
Genau dafür machen wir unsere Arbeit.
Und deshalb möchten wir jeden dazu ermutigen:
Besucht kleine Clubs.
Unterstützt lokale Festivals.
Folgt jungen Bands auf ihren Social-Media-Kanälen.
Kauft ein T-Shirt oder eine CD.
Und erzählt euren Freunden von diesen Bands.
Denn Mundpropaganda ist bis heute eine der wichtigsten Formen der Unterstützung.
Das ROCKHARZ gibt Chancen
Dass all diese Bands überhaupt die Möglichkeit bekommen, sich einem so großen Publikum zu präsentieren, ist vor allem dem Veranstalter zu verdanken.
Seit Jahren gelingt es dem ROCKHARZ-Team, ein Line-up zusammenzustellen, das große Namen mit jungen Künstlern verbindet.
Viele der Bands, die heute selbstverständlich auf großen Festivals spielen, standen irgendwann zum ersten Mal auf einer Bühne wie dieser.
Deshalb gilt dem gesamten ROCKHARZ-Team unser großer Dank.
Nicht nur für das Line-up.
Sondern auch für den Mut, neuen Bands diese Chance zu geben.
Familiär geblieben
Obwohl das Festival längst zu den größten Metalfestivals Deutschlands gehört, hat es sich seinen familiären Charakter bewahrt.
Nicht umsonst hört man jedes Jahr wieder den Satz:
„Endlich wieder normale Leute.“
Und tatsächlich fühlt es sich genau so an.
Man trifft Freunde aus den vergangenen Jahren.
Man lernt neue Menschen kennen.
Hilfsbereitschaft ist hier keine Ausnahme, sondern selbstverständlich.
Eine Begegnung beeindruckt mich jedes Jahr aufs Neue.
Die inzwischen 97-jährige Metal-Oma.
Aus Respekt vor ihr habe ich nie ein Selfie veröffentlicht.
Aber jedes Mal frage ich mich:
Wer von uns kann sich vorstellen, mit 97 Jahren noch auf ein Metalfestival zu fahren?
Ich bin heute 63 Jahre alt.
Ob ich in 34 Jahren noch hier stehen werde?
Ich weiß es nicht.
Aber allein dieser Gedanke zaubert mir jedes Jahr ein Lächeln ins Gesicht.
Inklusion, die Maßstäbe setzt
Ein Thema verdient besondere Aufmerksamkeit.
Die Inklusion.
Seit vielen Jahren begleite ich einen jungen Mann mit dem Merkzeichen B zum ROCKHARZ.
Dadurch durfte ich erleben, wie ernst dieses Festival das Thema Barrierefreiheit nimmt.
Bereits beim Aufbau des Zeltes standen innerhalb weniger Minuten mehrere Helfer bereit.
Nicht, weil sie mussten.
Sondern weil sie helfen wollten.
Überall auf dem Gelände begegnet man den freiwilligen Helfern in ihren roten Shirts.
Sie fragen nicht nur, ob Unterstützung benötigt wird.
Sie packen an.
Mit Freude.
Mit Respekt.
Mit Herz.
Dazu kommen barrierefreie Sanitäranlagen, Pflegecontainer mit Lifter, Rollstuhlverleih, ein Sanitätshaus für Reparaturen, Förderbänder für Rollstuhlfahrer und sehbehinderte Besucher sowie zahlreiche weitere Angebote.
Das ist keine Werbung.
Das ist gelebte Inklusion.
Und genau deshalb reisen jedes Jahr so viele Menschen mit Einschränkungen zum ROCKHARZ.
Nachhaltigkeit gehört selbstverständlich dazu
Auch beim Thema Nachhaltigkeit zeigt das Festival seit Jahren Verantwortung.
Mit der Aktion „Glück in Dosen“ werden Getränkedosen gesammelt und der Erlös gespendet.
Übrig gebliebene Isomatten werden für den Tierschutz gesammelt.
Wer seinen Müll ordentlich entsorgt, erhält als Dankeschön eines der beliebten Luftbilder des Festivalgeländes.
Dabei entsteht jedes Jahr derselbe schöne Moment:
Kaum hält man das Poster in der Hand, beginnt die Suche nach dem eigenen Camp.
Eine kleine Stadt auf Zeit
Erst wenn man genauer hinschaut, erkennt man, welche logistische Meisterleistung hinter einem Festival dieser Größenordnung steckt.
Die unzähligen Helfer, die oft schon Wochen vor Festivalbeginn das Gelände vorbereiten.
Die Sicherheitskräfte.
Die sogenannten Grabenschlampen, die Crowdsurfer sicher aus der Menge holen.
Die Reinigungskräfte.
Die Mitarbeiter an den Duschen.
Die Dixi-Teams.
Die Müllsammler, die selbst kleinste Zigarettenkippen aufheben.
Die Mitarbeiter im VIP-Bereich.
Backstage.
An den Getränkeständen.
An den Essensständen.
An den Merchständen.
Sie alle sorgen dafür, dass zehntausende Besucher vier Tage lang ein unvergessliches Festival erleben können.
Vielfalt auf allen Ebenen
Beeindruckend ist auch das Angebot auf dem Festivalgelände.
Die Merchmeile gleicht einer kleinen Einkaufsstadt.
Von Bandshirts über Lederbekleidung, Stiefel, Hüte, Steampunk-Mode und Schmuck bis hin zu außergewöhnlichen Accessoires findet hier jeder etwas.
Nicht weniger vielfältig ist das kulinarische Angebot.
Ob Fleisch, Fisch, vegetarisch, vegan, indisch, thailändisch, Pasta, Burger, Süßes oder Eis – die Auswahl ist riesig.
Und ja, natürlich kosten solche Angebote Geld.
Aber wer einmal darüber nachdenkt, was hinter jedem einzelnen Stand steckt, Personal, Einkauf, Transport, Strom, Aufbau und vier Tage Arbeit von früh bis spät, der weiß diese Leistung zu schätzen.
Auch dafür gebührt allen Beteiligten großer Respekt.
Danke
Ein Festival dieser Größe funktioniert nur, wenn unzählige Menschen gemeinsam anpacken.
Deshalb gilt unser Dank nicht nur den Bands.
Sondern ebenso den Organisatoren.
Den freiwilligen Helfern.
Den Technikern.
Den Bühnencrews.
Den Securitys.
Den Reinigungsteams.
Den Sanitätern.
Den Caterern.
Den Händlerinnen und Händlern.
Den Fotografen.
Den Medien.
Und nicht zuletzt den tausenden Besuchern, die das ROCKHARZ Jahr für Jahr zu dem machen, was es ist.
Ein Ort, an dem Zusammenhalt keine Floskel ist.
Bis zum nächsten Jahr
Wenn sich das Festival dem Ende nähert, beginnt bei vielen bereits die Vorfreude auf das nächste Wiedersehen.
Auf die Fahrt Richtung Ballenstedt.
Auf den ersten Blick zur Teufelsmauer.
Auf die Transall kurz vor dem Ziel.
Und auf den Moment, in dem wieder zehntausende Menschen gemeinsam sagen:
„Endlich wieder normale Leute.“
Für mich war das ROCKHARZ 2026 weit mehr als ein Festival.
Es war eine Erinnerung daran, warum wir alle diese Musik lieben.
Und warum diese Gemeinschaft jedes Jahr aufs Neue zeigt, dass Metal weit mehr ist als ein Musikstil.
Metal ist Zusammenhalt.
Metal ist Leidenschaft.
Metal ist Familie.
Vielen Dank, ROCKHARZ 2026. Wir sehen uns 2027.
Bericht Fritz Wendel, Multimedia Reporter
Foto von der Crowdsurver/in von meinem Fotografenkumpel Andre Schnittker
Die Teufelsmauer und der Sonnenuntergang von Fritz Wendel


