Interview mit Munarheim

Heimkehr nach Coburg und Wolfsnacht im Frankenwald

Gespräch über die Geschichte und Musik der Band, die Heimkehr-Show am 24. Oktober 2026 im Cosmos Coburg und den Headliner-Auftritt am 21. November 2026 bei der Wolfsnacht im Frankenwald.

1. Für alle, die Munarheim tatsächlich noch nicht kennen, seit wann gibt es euch, wie ist die Band entstanden und wer gehört heute zur aktuellen Besetzung?

Munarheim gibt es bereits seit 2007. Entstanden ist die Band, wie bei vielen anderen wohl auch, aus einer sprichwörtlichen Bierlaune heraus. Anfangs war Munarheim ein reines Studio und Just-for-Fun-Projekt unter Freunden, ganz ohne große Ambitionen. Musikalisch war es damals auch noch nicht als Metal-Band gedacht wir haben uns eher im Folk und Mittelalter Bereich bewegt, mit Akustikgitarre, Bass, Maultrommel, Didgeridoo und allem, was wir zu dieser Zeit halbwegs spielen konnten. Ab 2008 entwickelte sich das Projekt dann aber zunehmend ernster weiter. Zur aktuellen Besetzung gehören Sebastian als Komponist, Gitarrist und Backing-Vocalist. Er übernimmt außerdem einen Großteil der Studioaufnahmen, Mix und Mastering sowie die Artworks. Ich selbst schreibe die Texte und übernehme die gutturalen Vocals beziehungsweise Screams. Helge spielt E-Gitarre und singt Backing-Vocals, Julius den Bass. Theresa bringt Akustikgitarre, Mandoline und Backing-Vocals ein. Sabine ist für Flöten und Coverdesign zuständig, während Wolfgang an den Drums sitzt.

2. Ihr beschreibt eure Musik als Black Symphonic Folk Metal. Wie kam es zu genau dieser Mischung und welche musikalischen Einflüsse haben den typischen Munarheim-Sound geprägt?

Unser Stil war nie etwas, das wir von langer Hand geplant haben, er ist mit uns gewachsen. Einen wichtigen Einfluss hatten sicher Bands der zweiten Pagan Metal Welle wie Equilibrium, Moonsorrow, Ensiferum oder Gernotshagen. Gleichzeitig spielte auch Black Metal von Anfang an eine große Rolle. Besonders prägend waren für uns frühere Dornenreich, Eis, damals noch unter dem Namen Geist und Nocte Obducta. Gerade emotionale und leidenschaftliche Bands wie Dornenreich haben uns schon immer begeistert. Auch Empyrium darf man nicht vergessen sowohl lyrisch als auch musikalisch ein großer Einfluss, besonders durch die ausgeprägten Akustik und Folk Anteile vieler Stücke. Für die symphonische Seite haben natürlich auch Bands wie Dimmu Borgir Spuren hinterlassen. Durch Sebastians Studium der Musikwissenschaft wurde unsere Musik dann recht schnell auf ein neues Level gehoben. Natürlich inspirieren uns auch heute noch viele weitere Bands und Genres, aber das würde wahrscheinlich den Rahmen sprengen. Über die Jahre ist so nach und nach ein Stil entstanden, den wir inzwischen als recht eigenständig empfinden.

3. Wenn ihr jemandem, der noch nie einen Song von Munarheim gehört hat, eure Musik mit wenigen Worten beschreiben müsstet: Was erwartet ihn?

Schwierig, wir haben uns früher öfter den Spaß erlaubt, unsere Musik als “Nightwish mit Geschrei” zu bezeichnen. Manche sagen auch, wir seien das uneheliche Kind von Faun und Ensiferum. Ganz falsch ist das sicher nicht. “Equilibrium trifft Dimmu Borgir” kann man ebenfalls gelten lassen, auch wenn keine dieser Beschreibungen unseren Sound vollständig trifft. Am besten macht man sich wohl selbst ein Bild, bei Munarheim treffen atmosphärische, folkige und symphonische Elemente auf harte Gitarren, Black-Metal-Vocals und viel emotionale Dynamik.

4. Ihr stammt aus der Region Coburg. Welche Bedeutung hat eure fränkische Heimat für euch als Band, musikalisch, aber vielleicht auch ganz persönlich?

Der Begriff “Heimat” hat für uns keinen übermäßig hohen Stellenwert und ausgeprägten Lokalpatriotismus wird man bei uns eher vergeblich suchen. Das heißt aber natürlich nicht, dass wir nicht gern in Coburg und der Umgebung leben oder Land und Leute nicht schätzen würden ein großer Teil von uns ist schließlich hier aufgewachsen. Die Landschaft und Natur der Region haben uns immer wieder zu Songs und Texten inspiriert. Wäre der Name der keltischen Siedlung auf dem Staffelberg, Menosgada, damals nicht schon vergeben gewesen, würden wir heute vielleicht Menosgada statt Munarheim heißen. Besonders erwähnen muss man auch das ehemalige Coburger BGS-Gelände. Es hat uns, wie vielen anderen Bands aus der Gegend, über Jahre hinweg als Proberaum gedient. Ohne diese Räumlichkeiten wäre unsere Geschichte sicher anders verlaufen und vielleicht sogar längst zu Ende erzählt.

5. Am 24. Oktober spielt ihr im Cosmos in Coburg eine eigene 90-Minuten-Show. Was hat euch dazu bewegt, gerade jetzt eine solche Veranstaltung in eurer Heimat auf die Beine zu stellen?

Wir haben über viele Jahre hinweg gemeinsam mit befreundeten Bands die “Inglorious Night” in Coburg veranstaltet, damals noch im Jugendzentrum Domino. Die letzte Ausgabe liegt inzwischen drei Jahre zurück, und genauso lange ist auch unser letzter Auftritt in Coburg her. Eine Rückkehr in die Heimat war also längst überfällig. Passenderweise trägt auch unser letztes Album den Titel “Heimkehr”. Mit der 90-Minuten-Show im Cosmos möchten wir deshalb nicht einfach nur ein Konzert spielen, sondern diesen besonderen Anlass gemeinsam mit alten Wegbegleitern, Freunden und dem Publikum aus der Region feiern.

6. 90 Minuten sind für ein Konzert dieser Größenordnung schon eine Ansage. Können sich die Besucher auf eine besondere Munarheim Show freuen vielleicht auch auf Dinge, die man bei einem normalen Festivalauftritt von euch nicht zu sehen bekommt?

Wir feilen regelmäßig an unserer Bühnenshow, und 90 Minuten bieten natürlich viel Raum für Augen und Ohren. Bei einem Festivalauftritt muss man sich meist auf das Wesentliche konzentrieren diesmal können wir unser Set deutlich umfangreicher gestalten und mehr Facetten von Munarheim zeigen. Auch unsere neue Single “Wanderer” wird auf der Setlist stehen. Wer uns schon länger nicht mehr live erlebt hat, bekommt also sicher einiges Hörens- und Sehenswertes geboten.

7. Mit dabei sind In This Hell, die an diesem Abend ihre Album-Release-Show spielen. Wie kam diese gemeinsame Veranstaltung zustande und was verbindet euch mit der Band?

Die beiden Köpfe hinter In This Hell sind langjährige Freunde aus der Szene und kommen ebenfalls aus dem Coburger Raum. Wir haben bereits im vergangenen Jahr einige Shows gemeinsam gespielt, daher lag es nahe, endlich auch in Coburg einen gemeinsamen Abend auf die Beine zu stellen. In This Hell feiern am 24. Oktober die Release Show zu ihrem bald erscheinenden Debütalbum “Bliss”. Das möchten wir natürlich mit einer ausgedehnten Munarheim Show unterstützen und gemeinsam gebührend feiern.

8. Wie wichtig sind euch gerade kleinere Festivals und Veranstaltungen abseits der großen Namen?

Ich denke, ich kann für alle sprechen, wenn ich sage, dass wir uns auf kleinen bis mittelgroßen Veranstaltungen seit Jahren besonders wohlfühlen. Die oft fast familiäre Atmosphäre zwischen Publikum, Veranstaltern und Bands hat ihren ganz eigenen Vibe und macht für uns einen großen Teil solcher Abende aus. Gerade heute, wo vielerorts Clubs schließen und Festivals verschwinden, braucht es Menschen, die mutig dagegenhalten. Mit Innovationsgeist, frischen Ideen und echter Herzlichkeit kann dem Underground wieder mehr Leben eingehaucht werden. Solche Veranstaltungen sind deshalb nicht nur wichtig, sondern für die Szene unverzichtbar.

9. Was bedeutet Underground für Munarheim  und würdet ihr euch selbst heute noch als Underground-Band bezeichnen?

Für mich ist der Underground der Nährboden jeder Band, die sich ein Herz fasst und ihre Musik nicht nur im stillen Kämmerlein spielt. Der Zuspruch dafür scheint nach wie vor ungebrochen, auch wenn sich Underground heute anders zeigt als noch vor 20 Jahren. Gerade Metal-Fans entdecken immer noch gern neue Musik und Bands und unterstützen sie nach besten Kräften, zumindest ist das meine Erfahrung. Ob wir selbst noch Underground genug sind, ist letztlich eine Frage der Definition. Betrachtet man die Musik und Veranstaltungslandschaft mit all ihren Genres und Trends von oben, würde ich uns definitiv als Underground-Band bezeichnen. Innerhalb unserer Nische aus Folk, Viking und Pagan Metal sind wir allerdings wohl kein unbeschriebenes Blatt mehr.

10. Was fehlt dem Underground eurer Meinung nach am meisten, Bühnen, Veranstalter, Medien, Publikum oder mehr Mut, unbekannte Bands zu buchen?

Das ist eine schwierige Frage, und wahrscheinlich habe ich dazu eine Ansicht, die nicht jedem gefallen wird. Nach meiner Erfahrung mangelt es dem Underground nicht grundsätzlich an Bands oder einzelnen Veranstaltungen. Die eigentliche Herausforderung ist eher, dass viele dieser Angebote regional sehr unterschiedlich sichtbar sind und dauerhaft getragen werden müssen. Gerade wenn Clubs schließen und Festivals verschwinden, wird deutlich, wie wichtig gute Vernetzung, zeitgemäße Kommunikation und neue Ideen sind. Dafür braucht es aus meiner Sicht ein Umdenken bei Bands, Veranstaltern und Medien gleichermaßen. Viele bewährte Konzepte funktionieren noch, aber sie erreichen nicht automatisch die nächste Generation. Moderne Kommunikation, eine stärkere Vernetzung der Beteiligten, Sichtbarkeit in den passenden Kanälen und der Mut zu neuen Ideen müssen ernster genommen werden. Nur so kann es gelingen, jüngere Menschen langfristig für den Underground zu begeistern, ohne das zu verlieren, was diese Szene eigentlich ausmacht.

11. Ihr seid außerdem Headliner der Wolfsnacht im Frankenwald in Nordhalben am 21. November 2026. Was bedeutet es euch, bei einem noch jungen Festival als Headliner auf der Bühne zu stehen?

Für uns sind Headliner Auftritte immer besondere Momente. Wir verstehen sie als Wertschätzung der Szene gegenüber unserer Arbeit  oder, wie man so schön sagt, Applaus ist das Brot des Künstlers. Gleichzeitig bringt so ein Platz auf dem Billing auch Verantwortung mit sich. Wie wir schon festgestellt haben, sind wir innerhalb unserer Szene kein unbeschriebenes Blatt mehr. Wenn wir mit unserer Musik und unserem Namen ein noch junges Festival wie die Wolfsnacht im Frankenwald unterstützen und dazu beitragen können, mehr Menschen dafür zu begeistern, freut uns das sehr. Wir hoffen natürlich, dass der Abend dem Festival zusätzlichen Rückenwind und langfristig steigende Besucherzahlen bringt.

12. Unterscheiden sich eure Vorbereitungen und eure Setlist für die 90-Minuten-Show im Cosmos und den Headliner Auftritt bei der Wolfsnacht deutlich voneinander?

Nein, in diesem Fall unterscheiden sich Vorbereitung und Setlist nicht grundlegend. Allerdings ist keine Munarheim Show wie die andere. Gerade in der vertrauten Heimat zeigen wir uns auf der Bühne auch gern einmal von unserer humorvolleren Seite. Wer schon bei einem unserer Auftritte in Coburg dabei war, weiß vermutlich, was damit gemeint ist. In beiden Fällen dürfen sich die Zuschauer aber wie gewohnt auf eine energiegeladene Show mit 100 Prozent Einsatz auf der Bühne freuen.

13. Wo steht Munarheim momentan musikalisch? Arbeitet ihr an neuen Songs oder sogar an einem neuen Album  und dürfen die Fans in absehbarer Zeit mit etwas Neuem rechnen?

Auch wir versuchen, uns mit Blick auf einen neuen Zeitgeist ein Stück weit neu zu positionieren. Das hängt vor allem mit unserem privaten Umfeld und den Möglichkeiten zusammen, die sich daraus ergeben. Konkret bedeutet das, Unser Fokus liegt zunächst auf einzelnen Songs und deren Veröffentlichungen so wie zuletzt bei “Wanderer”. Sebastian schreibt weiterhin fleißig neue Stücke. Je nachdem, wie sich das Material entwickelt und welche Ideen noch dazukommen, kann daraus nach einigen Single-Releases eine EP oder vielleicht sogar ein Album entstehen möglicherweise als LP, CD oder Special Edition mit zusätzlichen, bislang unveröffentlichten Songs. Wir lassen uns da bewusst Raum und schauen, wohin uns der Weg führt.

14. Gab es in der bisherigen Geschichte von Munarheim einen Song, ein Album oder einen Auftritt, den ihr als Wendepunkt bezeichnen würdet?

Einen einzigen klaren Wendepunkt gab es bei uns eigentlich nie. Es waren vielmehr viele Meilensteine, die wir bewusst oder auch unbewusst auf unserem Weg gesetzt haben. Einer der wichtigsten war sicher die EP “… und der Wind sang” und darauf besonders der Song “Ruhelos”. Mit dieser Veröffentlichung wurde aus dem anfänglichen Spaßprojekt, bei dem wir vor allem für uns selbst Musik gemacht haben, ein ernstzunehmendes musikalisches Projekt. “Ruhelos” fand damals bereits viel Anklang und vereinte schon viele Stilelemente, die man auch heute noch bei Munarheim hört. Der Song gehört, wenn auch neu arrangiert, bis heute bei fast jeder Show zur Setlist. Ein weiterer wichtiger Schritt war 2013, als aus dem Studio-Projekt eine vollwertige Live-Band wurde. Und wenn es um einen einzelnen Auftritt geht, war unser erster Auftritt beim Ragnarök Festival 2017 sicherlich ebenfalls ein besonderer Meilenstein.

15. Warum sollte jemand, der Munarheim noch nie live gesehen hat, am 24. Oktober ins Cosmos nach Coburg kommen und was versprecht ihr dem Publikum für den Abend?

Wer Munarheim noch nie live gesehen hat, sollte am 24. Oktober ins Cosmos kommen, weil dieser Abend mehr sein wird als ein gewöhnlicher Konzerttermin. Nach drei Jahren ohne Auftritt in Coburg ist es für uns eine längst überfällige Heimkehr und wir nehmen uns mit 90 Minuten auch die Zeit, Munarheim in all seinen Facetten zu zeigen. Neben einer energiegeladenen Show mit vollem Einsatz gibt es unsere neue Single “Wanderer”, mehr Raum für besondere Momente als bei einem Festivalauftritt und vielleicht auch die eine oder andere humorvolle Seite, die man vor allem bei unseren Heimatshows erleben kann. Dazu feiern unsere langjährigen Freunde von In This Hell die Release-Show ihres Debütalbums “Bliss”. Wir versprechen keinen Abend, den man einfach nur abhakt, sondern eine gemeinsame Feier mit Freunden, Wegbegleitern und allen, die Lust auf einen intensiven Metal-Abend haben.

Interview, Fritz Wendel oder der old_school_metal_shots, per EMail

Zur offiziellen Website von Munarheim kommt ihr hier.

Schreibe einen Kommentar

WordPress Cookie Hinweis von Real Cookie Banner