Metalcore, Hardcore, Alternative Metal und Doom – The Root of Fear aus Cottbus haben sich schon länger dagegen entschieden, ihre Musik bequem in einer einzigen Schublade unterzubringen. Mit ihrem neuen Song „Disturbing Masquerade“ setzt das Trio diesen Weg fort und rückt dabei eine Seite der Band in den Vordergrund, die weniger von Genregrenzen als von Kontrasten lebt.
The Root of Fear, kurz T.R.O.F., kommen aus Cottbus in Brandenburg. Heute besteht die Band aus Kenny an den Vocals, Matze an der Gitarre und Uwe Gabel am Schlagzeug. Songwriting und Produktion liegen überwiegend bei Kenny, der das Material im eigenen Homestudio entwickelt und produziert. Matze – Kennys Vater – gehört als Gitarrist zur aktuellen Formation, während Uwe ursprünglich lediglich für zwei Shows am Schlagzeug einsprang und anschließend Teil der Band blieb.
Mit „Disturbing Masquerade“ gibt es nun neues Material von diesem Trio.



„Disturbing Masquerade“ – neuer Song, vertraute Gegensätze
Schon der bisherige Katalog von The Root of Fear zeigt, dass die Band musikalische Härte nicht ausschließlich über Geschwindigkeit oder permanente Eskalation definiert. Metalcore und Hardcore treffen auf Alternative Metal und die deutlich schwerere, atmosphärischere Seite des Doom. Genau diese stilistische Offenheit führt die Band auch als Grundlage ihres Sounds an.
„Disturbing Masquerade“ lässt sich deshalb weniger als stilistischer Neustart verstehen, sondern vielmehr als Fortsetzung dieser Entwicklung.
Der Song arbeitet mit dem Spannungsverhältnis zwischen Druck und Atmosphäre. Schwere Gitarren, Rhythmusarbeit und Vocals bilden das aggressive Fundament, während das Arrangement nicht ausschließlich auf permanente Härte setzt. Gerade die Wechsel innerhalb des Stücks sorgen dafür, dass sich die Wirkung nicht in einem einzigen Metalcore-Schema erschöpft.
Das passt zu einer Band, die Metalcore zwar als wichtigen Bestandteil ihres Sounds versteht, ihn aber nicht als Grenze behandelt.
Dabei fällt auf, dass The Root of Fear ihren Songs zunehmend Raum geben. Bereits „Death While Sleeping“ überschritt 2024 die Sieben-Minuten-Marke. Auch auf der Ende 2025 veröffentlichten EP „Angst“ finden sich mit „Vivien“, „Scent of a Dead Memory“ und dem fast siebenminütigen „Spirit of Mine“ mehrere längere Stücke.
Statt möglichst schnell von Riff zu Breakdown und zum nächsten Refrain zu gelangen, scheint für T.R.O.F. zunehmend entscheidend zu sein, welche Dynamik ein Song entwickeln kann.
„Disturbing Masquerade“ fügt sich in dieses Bild ein.
Mehr als nur Metalcore
Interessant ist dabei weniger die Frage, welchem Genre man den neuen Song exakt zuordnen kann. Gerade diese Suche nach einem eindeutigen Etikett führt bei The Root of Fear relativ schnell in eine Sackgasse.
Die Band selbst nennt Metalcore, Hardcore, Alternative Metal und Doom als wesentliche Bestandteile ihres Sounds; auch Pop-Punk gehört zu den genannten Einflüssen.
Das klingt zunächst nach einer langen Genre-Liste, ergibt innerhalb der bisherigen Entwicklung aber durchaus Sinn: Die unterschiedlichen Einflüsse übernehmen verschiedene Funktionen. Hardcore sorgt für Direktheit, Metalcore für modernen Druck, während Doom und Alternative Metal mehr Raum für Schwere, Melodie und Atmosphäre öffnen.
„Disturbing Masquerade“ zeigt damit vor allem, wie T.R.O.F. inzwischen mit diesen unterschiedlichen Bausteinen umgehen.
Nicht jeder Einfluss muss gleichzeitig im Vordergrund stehen. Entscheidend ist vielmehr der Kontrast.
Eine Band im Wandel
Auch personell hat The Root of Fear bereits Veränderungen hinter sich.
Eine regionale Veröffentlichung aus dem Jahr 2024 nennt für eine frühere Phase noch Jonathan, Akant und Kenny sowie Kennys Vater im Umfeld der Band. Das aktuelle Pressekit führt dagegen Kenny, Matze und Uwe Gabel als heutige Besetzung.
Die musikalischen Anfänge lagen stärker im Hardcore. Inzwischen beschreibt die Band selbst ihren Sound wesentlich breiter.
Diese Entwicklung lässt sich auch anhand der Veröffentlichungen nachvollziehen.
Im Juni 2024 erschien mit „Mental Hospital“ die erste EP. Es folgten weitere Singles wie „Hold“ und „Death While Sleeping“. 2025 setzte die Band ihren Veröffentlichungsweg fort und brachte Ende Dezember mit „Angst“ eine weitere EP heraus.
„Disturbing Masquerade“ ist nun der nächste Schritt.
Viel Eigenarbeit hinter T.R.O.F.
Eine Besonderheit bleibt dabei die Arbeitsweise der Band.
Kenny übernimmt nicht nur den Gesang, sondern auch Songwriting und Produktion. Die Grundlagen der Stücke entstehen im eigenen Homestudio, wo Riffs entwickelt und Aufnahmen vorbereitet werden.
Damit besitzt The Root of Fear vergleichsweise viel Kontrolle über den eigenen musikalischen Prozess. Gerade bei einer Band, die sich nicht konsequent an ein einzelnes Genre hält, ist das relevant: Zwischen erster Songidee und fertigem Material steht nicht zwangsläufig eine externe Produktion, die den Sound auf eine bestimmte Zielgruppe oder stilistische Erwartung zuschneidet.
Das bedeutet nicht automatisch, dass jede stilistische Entscheidung funktioniert. Es erklärt aber, weshalb sich The Root of Fear die Freiheit nehmen können, unterschiedliche Einflüsse miteinander auszuprobieren.
Und genau diese Freiheit scheint zunehmend Teil der Identität der Band zu werden.
Wohin führt der Weg?
Mit „Disturbing Masquerade“ liefern The Root of Fear keine einfache Antwort darauf, was diese Band künftig sein möchte.
Vielleicht braucht es die auch nicht.
Zwischen der ersten EP „Mental Hospital“, dem späteren Material und dem heutigen Trio liegt eine Entwicklung, die noch vergleichsweise jung ist. Statt bereits eine unveränderliche musikalische Formel gefunden zu haben, befindet sich die Band weiterhin in Bewegung.
Der neue Song ist deshalb vor allem als Momentaufnahme interessant: The Root of Fear bleiben im modernen Metal verwurzelt, erlauben sich aber zunehmend, dessen Grenzen weiter auszulegen.
Ob daraus langfristig ein unverwechselbarer eigener Sound entsteht, werden die kommenden Veröffentlichungen zeigen.
„Disturbing Masquerade“ ist ab sofort zu hören.
The Root Of Fear – Disturbing Masquerade
THE ROOT OF FEAR
Cottbus, Brandenburg
Kenny – Vocals, Songwriting, Produktion
Matze – Gitarre
Uwe Gabel – Schlagzeug
Metalcore · Hardcore · Alternative Metal · Doom
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